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Eine Bohnensuppe für den Fürsten

 

Seit drei Generationen zaubern Dickehuts am Herd der Plessenburg.

 

Bild und Text von Frank Drechsler

 

Was heute für viele Menschen der Brocken ist, war bis zum Mauerfall das Waldgasthaus Plessenburg. Zigtausende strömten alljährlich zu dem oberhalb Ilsenburgs gelegenen Ausflugslokal. Ganz so viele wie damals sind es zwar nicht mehr, aber als beliebter Anlaufpunkt an allen Feiertagen und als Gastwirtschaft erfreut sich die Plessenburg nach wie vor ungebrochener Beliebtheit. Seit 45 Jahren und mittlerweile in dritter Generation zaubert hier die Familie Dickehut Schmackhaftes auf den Tisch des Hauses. Ein Geheimtipp, nicht nur bei Einheimischen.

Wenn Monika Dickehut in der Küche den Kochlöffel schwingt, dürfen sich Gäste auf eine leckere Mahlzeit freuen. Denn hier wird mit Leidenschaft und ausschließlich nach Familienrezepten gekocht und gebacken. Das sieht man und das schmeckt man. Absoluter Renner auf der Speisenkarte ist die Wildsülze. Natürlich aus zartem Harzer Wildbret zubereitet. Ganz hoch im Kurs steht auch der zarte Lammbraten, wie er zu Ostern wieder auf den Tisch gezaubert wurde. Für ganz eilige Wanderer, die auf ihrem Weg zum Brocken hier kurz Rast machen, gibt es auch mal hausgemachten Kartoffelsalat mit Bockwurst. Auch lecker. Eine Einkehr, dazu gutes Essen, zubereitet und serviert, gibt es hier aber erst seit Anfang der 1970er Jahre.

 

Gebaut wurde die „Plessenburg” im Jahr 1776 als Jagdhaus. Das Küchen- und Personalhaus, in dem sich heute die Gaststätte befindet, wurde 1880 errichtet. Im heimatlichen Fachwerkstil gebaut, war die Plessenburg zuletzt bis 1945 im Besitz des Fürsten Christian-Ernst zu Stolberg-Wernigerode. Das Haus diente später von 1967 bis 1973 als so genanntes Naherholungsobjekt. Baulich miteinander verbunden wurden das bis dahin getrennt stehende Personalhaus und der Küchentrakt dann 1980. Da hatten die Wirtsleute gerade mal zwei Jahre elektrischen Strom...

 

Zum Waldgasthaus war die Plessenburg 1973 geworden, als Monika Dickehuts Eltern, Ruth und Bernhard Krebs, hier eine Gaststätte eröffneten. Seitdem wird hier oben, gut fünfeinhalb Kilometer von Ilsenburg entfernt, Gastronomie gelebt. Über Gästemangel musste nie geklagt werden, und auch über die Wendezeit hatte die Familie zu tun. Zwar nicht so dicke wie sonst, ein paar magere Jahre aber wurden mit ungewöhnlichem Service überbrückt: Denn obwohl der eine oder andere Gast ausblieb, der nun erst einmal den deutlich größeren Harz erkundete, ging in den drei mit Kohle befeuerten Öfen nie das Feuer aus. „Wir haben seinerzeit das Essen einfach mit zu unseren Gästen genommen. Die erreichten wir meist im Eckertal oder an der benachbarten Eckertalsperre. Es waren zwar ein paar magere Jahre, ans Aufgeben haben wir aber nie gedacht“, so Monika Dickehut.
An eine ganz besondere Begegnung unter den vielen kurz nach der politischen Wende erinnert sie sich ebenfalls noch ganz genau. An einem trüben Tag habe sie durchs Fenster blickend, ein paar Wanderer gesehen, die sie dann freundlich winkend in die Gaststube gebeten hatte. Der, der hier mit seiner Gattin der Plessenburg nach dem Mauerfall einen Besuch abstattete, war kein Geringerer als Fürst Christian-Ernst zu Stolberg-Wernigerode. Als solcher stellte er sich auch vor. Monika Dickehut nahm das dem freundlichen Gast aber nicht ab und erwiderte darauf, dass sie dann natürlich die Gräfin von der Plessenburg sei. Nach einem schallenden Gelächter habe sich der Gast dann lächelnd mit seinem Personalausweis ausgewiesen. „Da haben wir ihn spontan zu Bohnensuppe eingeladen, die gerade fertig war und uns alle sehr nett unterhalten.“
Mit der Wende konnte die Familie die Plessenburg kaufen. Das Gastronomenehepaar Ruth und Bernhard Krebs übergab die Geschäfte im Jahr 2002 an Tochter Monika, die dann auch ihren Mann Gerhard mit in den Betrieb holte. Mittlerweile ist mit deren Sohn Lars bereits die dritte Generation am Start. Lars hat das Handwerk von der Pike auf gelernt und trat 2015 als gekernter Restaurantfachmann die Unternehmensnachfolge der Eltern und Großeltern an. Seitdem ist viel investiert, das Haus den heutigen Anforderungen angepasst worden. Das Dach und die Toiletten wurden erneuert, die Küche modernisiert. Eine Köhlerhütte und ein neues Kühlhaus folgten. Ein Kiosk und und ein Spielplatz sind in Planung! „Wir haben allerdings immer darauf geachtet, das Haus nicht kaputt zu sanieren. Den Charakter der Plessenburg haben wir sehr gut erhalten“, ist der Junior-Chef stolz. Mittlerweile komplettieren neben Monika und Gerhard Dickehut auch Lars' Schwester Anja und deren Tochter Nadine das Familienteam.
Neben den baulichen und personellen Veränderungen hat sich auch das Publikum an der Plessenburg in den Jahrzehnten gewandelt. Zu den Wanderern, die nach wie vor hierher kommen, gesellen sich zunehmend Mountainbikefahrer. Und die, die nicht mehr ganz so gut zu Fuß sind, haben das E-Bike für sich entdeckt. „Eine geniale Erfindung, die sehr viele unserer langjährigen Stammgäste für sich entdeckt haben und uns so auch weiterhin besuchen kommen können“, freut sich Dickehut Junior. Und weil es sich nicht nur zur Plessenburg hinauf so schön rollt, sondern auch ins Tal hinunter, biete Lars Dickehut für die Abfahrt so genannte Crossroller an. In Ilsenburg angekommen, brauchen die dann nur abgegeben zu werden. „Das nutzen viele unserer Gäste sehr gern!“
Wer nicht mehr so gut zu Fuß ist oder es auch mal ein bisschen bequemer haben möchte, dem sei der Ilsetaler empfohlen. Die Harzer Verkehrsbetriebe fahren mit dieser saisonalen Buslinie 288 von Mai bis Oktober durch die Wälder des Harzes. Der „Ilsetaler" fährt über Darlingerode, Drübeck, Ilsenburg durch das Ilsetal vorbei an den Ausflugsgaststätten Plessenburg und Steinerne Renne nach Drei Annen Hohne. Somit sind Wanderrouten durch das Ilsetal oder entlang des Oberen Hohneweges, zu den Zeterklippen oder durch das Tal der Steinernen Renne zurück nach Wernigerode möglich.

 

 

 

 

Seit drei Generationen zaubern Dickehuts am Herd der Plessenburg.

 

Bild und Text von Frank Drechsler

 

Was heute für viele Menschen der Brocken ist, war bis zum Mauerfall das Waldgasthaus Plessenburg. Zigtausende strömten alljährlich zu dem oberhalb Ilsenburgs gelegenen Ausflugslokal. Ganz so viele wie damals sind es zwar nicht mehr, aber als beliebter Anlaufpunkt an allen Feiertagen und als Gastwirtschaft erfreut sich die Plessenburg nach wie vor ungebrochener Beliebtheit. Seit 45 Jahren und mittlerweile in dritter Generation zaubert hier die Familie Dickehut Schmackhaftes auf den Tisch des Hauses. Ein Geheimtipp, nicht nur bei Einheimischen.

Wenn Monika Dickehut in der Küche den Kochlöffel schwingt, dürfen sich Gäste auf eine leckere Mahlzeit freuen. Denn hier wird mit Leidenschaft und ausschließlich nach Familienrezepten gekocht und gebacken. Das sieht man und das schmeckt man. Absoluter Renner auf der Speisenkarte ist die Wildsülze. Natürlich aus zartem Harzer Wildbret zubereitet. Ganz hoch im Kurs steht auch der zarte Lammbraten, wie er zu Ostern wieder auf den Tisch gezaubert wurde. Für ganz eilige Wanderer, die auf ihrem Weg zum Brocken hier kurz Rast machen, gibt es auch mal hausgemachten Kartoffelsalat mit Bockwurst. Auch lecker. Eine Einkehr, dazu gutes Essen, zubereitet und serviert, gibt es hier aber erst seit Anfang der 1970er Jahre.

 

Gebaut wurde die „Plessenburg” im Jahr 1776 als Jagdhaus. Das Küchen- und Personalhaus, in dem sich heute die Gaststätte befindet, wurde 1880 errichtet. Im heimatlichen Fachwerkstil gebaut, war die Plessenburg zuletzt bis 1945 im Besitz des Fürsten Christian-Ernst zu Stolberg-Wernigerode. Das Haus diente später von 1967 bis 1973 als so genanntes Naherholungsobjekt. Baulich miteinander verbunden wurden das bis dahin getrennt stehende Personalhaus und der Küchentrakt dann 1980. Da hatten die Wirtsleute gerade mal zwei Jahre elektrischen Strom...

 

Zum Waldgasthaus war die Plessenburg 1973 geworden, als Monika Dickehuts Eltern, Ruth und Bernhard Krebs, hier eine Gaststätte eröffneten. Seitdem wird hier oben, gut fünfeinhalb Kilometer von Ilsenburg entfernt, Gastronomie gelebt. Über Gästemangel musste nie geklagt werden, und auch über die Wendezeit hatte die Familie zu tun. Zwar nicht so dicke wie sonst, ein paar magere Jahre aber wurden mit ungewöhnlichem Service überbrückt: Denn obwohl der eine oder andere Gast ausblieb, der nun erst einmal den deutlich größeren Harz erkundete, ging in den drei mit Kohle befeuerten Öfen nie das Feuer aus. „Wir haben seinerzeit das Essen einfach mit zu unseren Gästen genommen. Die erreichten wir meist im Eckertal oder an der benachbarten Eckertalsperre. Es waren zwar ein paar magere Jahre, ans Aufgeben haben wir aber nie gedacht“, so Monika Dickehut.
An eine ganz besondere Begegnung unter den vielen kurz nach der politischen Wende erinnert sie sich ebenfalls noch ganz genau. An einem trüben Tag habe sie durchs Fenster blickend, ein paar Wanderer gesehen, die sie dann freundlich winkend in die Gaststube gebeten hatte. Der, der hier mit seiner Gattin der Plessenburg nach dem Mauerfall einen Besuch abstattete, war kein Geringerer als Fürst Christian-Ernst zu Stolberg-Wernigerode. Als solcher stellte er sich auch vor. Monika Dickehut nahm das dem freundlichen Gast aber nicht ab und erwiderte darauf, dass sie dann natürlich die Gräfin von der Plessenburg sei. Nach einem schallenden Gelächter habe sich der Gast dann lächelnd mit seinem Personalausweis ausgewiesen. „Da haben wir ihn spontan zu Bohnensuppe eingeladen, die gerade fertig war und uns alle sehr nett unterhalten.“
Mit der Wende konnte die Familie die Plessenburg kaufen. Das Gastronomenehepaar Ruth und Bernhard Krebs übergab die Geschäfte im Jahr 2002 an Tochter Monika, die dann auch ihren Mann Gerhard mit in den Betrieb holte. Mittlerweile ist mit deren Sohn Lars bereits die dritte Generation am Start. Lars hat das Handwerk von der Pike auf gelernt und trat 2015 als gekernter Restaurantfachmann die Unternehmensnachfolge der Eltern und Großeltern an. Seitdem ist viel investiert, das Haus den heutigen Anforderungen angepasst worden. Das Dach und die Toiletten wurden erneuert, die Küche modernisiert. Eine Köhlerhütte und ein neues Kühlhaus folgten. Ein Kiosk und und ein Spielplatz sind in Planung! „Wir haben allerdings immer darauf geachtet, das Haus nicht kaputt zu sanieren. Den Charakter der Plessenburg haben wir sehr gut erhalten“, ist der Junior-Chef stolz. Mittlerweile komplettieren neben Monika und Gerhard Dickehut auch Lars' Schwester Anja und deren Tochter Nadine das Familienteam.
Neben den baulichen und personellen Veränderungen hat sich auch das Publikum an der Plessenburg in den Jahrzehnten gewandelt. Zu den Wanderern, die nach wie vor hierher kommen, gesellen sich zunehmend Mountainbikefahrer. Und die, die nicht mehr ganz so gut zu Fuß sind, haben das E-Bike für sich entdeckt. „Eine geniale Erfindung, die sehr viele unserer langjährigen Stammgäste für sich entdeckt haben und uns so auch weiterhin besuchen kommen können“, freut sich Dickehut Junior. Und weil es sich nicht nur zur Plessenburg hinauf so schön rollt, sondern auch ins Tal hinunter, biete Lars Dickehut für die Abfahrt so genannte Crossroller an. In Ilsenburg angekommen, brauchen die dann nur abgegeben zu werden. „Das nutzen viele unserer Gäste sehr gern!“
Wer nicht mehr so gut zu Fuß ist oder es auch mal ein bisschen bequemer haben möchte, dem sei der Ilsetaler empfohlen. Die Harzer Verkehrsbetriebe fahren mit dieser saisonalen Buslinie 288 von Mai bis Oktober durch die Wälder des Harzes. Der „Ilsetaler" fährt über Darlingerode, Drübeck, Ilsenburg durch das Ilsetal vorbei an den Ausflugsgaststätten Plessenburg und Steinerne Renne nach Drei Annen Hohne. Somit sind Wanderrouten durch das Ilsetal oder entlang des Oberen Hohneweges, zu den Zeterklippen oder durch das Tal der Steinernen Renne zurück nach Wernigerode möglich.